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Pfingstlicher Hoffnungsbrief von Pfarrer Franz Kraft

Neues entsteht!

„In Katastrophenzeiten suche ich nicht einen Gott, der wie ein zorniger Regisseur sich hinter die Bühne unserer Welt gesetzt hat, sondern ich nehme ihn als Kraftquelle wahr, die in denen  wirkt, die in solchen Situationen eine solidarische und aufopfernde Liebe erweisen - ja auch in denen, die dazu keine 'religiöse Motivation' haben. Gott ist eine demütige und diskrete Liebe.“ (Tomás Halík).

Den Worten des tschechischen Religionsphilosophen habe ich ichts hinzuzufügen. Die zurückliegenden Wochen, so schwer sie auch waren und so schwer die Zeit auch heute noch ist, hat mich staunen gelehrt. Gott lebt und wirkt und schafft viel Gutes, so dass Hoffnung greifbar wird.

Neues ist entstanden und Leben greift um sich. Das dürfen Sie mit meiner kleinen Schrift vielleicht auch ein wenig spüren. Hören wir auf, Gott die Schuld in die Schuhe zu schieben! Beenden wir die Verschwörungstheorien, die unsagbare Blüten treiben! Schauen wir auf das Leben, wie es ist, und lassen wir uns anstecken, von dem, was Neues entstanden ist!

Dort, wo wir Abstand halten mussten, dort sind neue Beziehungen gewachsen. Davon will ich in diesem Brief ein wenig erzählen.

Pfingsten im Jahre 2020 -  Ihr Pfarrer Franz Kraft

  

Zusammenhalt!

Keine Möglichkeit, gemeinsame Gottesdienste zu halten! Das hatte ich noch nicht erlebt, dass es wegen eines Virus nicht möglich war, gemeinsam zum Gottesdienst zusammen zu kommen. Dazu kamen die Renovierungsmaßnahmen unserer Kirchen in Streit und Mechenhard, wegen denen wir die Kirchen schließen mussten. Fantasie und Zusammenhalt waren gefordert:

Gebete in schweren Zeiten, so nennen wir das Faltblatt, das wir ein- oder mehrmals wöchentlich veröffentlichten. Es lag in den Kirchen der Stadt aus. In Mechenhard und Streit, wo die Kirchen geschlossen waren, fanden sich hilfsbereite Menschen, die regelmäßig mehr als 80 Exemplare den älteren Leuten nach Hause gebracht haben.

Zusammenhalten im Gebet und in der Sorge füreinander. Ich weiß von vorbildlicher Nachbarschaftshilfe, wo jüngere Leute ihre alten Nachbarn versorgt haben, für sie einkaufen gegangen sind oder andere Besorgungen gemacht haben.

Das mag selbstverständlich klingen, ist es aber nicht in einer Zeit, wo manche keine Zeit mehr haben oder sich füreinander nehmen.

Ein schönes Hoffnungszeichen!

 Osterlicht frei Haus!

 Ein alter und guter Brauch ist es, von der Feier der Auferstehung in der Kirche das Osterlicht mit nach Hause zu bringen. Symbol für den auferstandenen Christus, der in unseren Häusern und Familien mitten drin sein darf.

Nun waren ja die Kirchen in Mechenhard und Streit über Ostern wegen den Bauarbeiten geschlossen. Niemand konnte dort das Osterlicht holen. Da eine öffentliche Feier des Osterfestes generell nicht möglich war, habe ich in meiner privaten Ostermesse das Licht der Osterkerze entzündet und diese in der geöffneten Kirche brennen lassen.

Ministranten und weitere hilfreiche Hände aus Mechenhard und Streit haben am Ostersonntag dann dieses Licht zu den Familien gebracht, die darum gebeten hatten. Osterlicht frei Haus! So wie uns auch die Auferstehung Christi geschenkt ist. Wir können sie nur dankbar annehmen und uns darüber freuen.

In Streit und Mechenhard haben sich viele über dieses „Lichterando“ gefreut. So kann Hoffnung greifbar werden! Keiner soll von der Osterbotschaft ausgeschlossen sein, denn Jesus ist für alle gestorben und auferstanden; auch für uns Menschen im Jahre 2020!

Hoffnung!

 Junge Kirche Online schafft Gemeinschaft!

 Ich staune, was junge Leute alles auf die Beine stellen: Da gibt es das Team der KinderFamilienKirche. Da wurde Kirche online. In den letzten Wochen war für die Familien, die es wahrlich nicht leicht hatten, wirklich viel geboten. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich die Whatsapp-Gruppe von acht auf über vierzig Teilnehmern erweitert und hat den jungen Eltern mit ihren Kindern wertvolle und originelle Ideen zur Gestaltung der Kar- und Ostertage aufs Handy geliefert: Lieder, Bastelanleitungen, Bibelgeschichten, Morgen-, Tisch- und Abendgebete….

Und es ist noch nicht zu Ende: Immer wieder gibt es Impulse, die erleben lassen, was Gemeinschaft ist und kann. Da kann nicht nur ich staunen und feststellen: Mir ist es um Kirche und um unsere Gemeinden nicht bange! Da steckt ganz viel Leben drin!zukunft

Das Kreuz!

„Ich habe es an drei verschiedenen Stellen in der Stadt gesehen.“ So sagte mir ein Mann. Vom Palmsonntag bis Karfreitag war ein Kreuz in der Stadt unterwegs. Ausgehend von der St. Peter und Paul - Kirche konnte es an markanten Orten der Stadt gefunden werden.

„Einer trage des anderen Last.“ Das Wort des Apostels Paulus aus dem Galaterbrief auf dem Kreuz fiel ins Auge. Dort, wo wir Menschen unterwegs sind, am St. Maurice-Platz, am Schwimmbad, vor dem Rathaus und auf dem Weg zum Krankenhaus kreuzte es den Weg der Menschen. Und es regte zum Nachdenken an.

Keiner glaubt allein, keiner lebt allein. Gemeinsam die Lasten des Alltags, aber auch die Last von Krankheit und Leid zu tragen, ist nicht nur uns Christen aufgegeben und fordert heraus. Gut, dies vor Augen zu sehen, wichtiger, es sich zu Herzen zu nehmen.

Manchmal stößt man sich daran, manchmal stolpert man darüber. Das Kreuz ist nicht nur ein Symbol in unserer Kirche oder in unseren Häusern. Das Kreuz ist oft so vielfältig vorhanden, dort wo wir leben und wohnen. Gut, sein Kreuz nicht alleine tragen zu müssen!

Das Kreuz hat nachdenklich gemacht.

Nachdenken ermöglicht Veränderung -

Veränderung zum Guten! Das macht Hoffnung!

Segen!

 

Was mir persönlich in den letzten Wochen ganz wichtig geworden ist, das ist der Segen, den ich jeden Abend um 21 Uhr in meinem Haus am Fenster zum Kirchplatz spende. Seit Beginn der strengen Kontakbeschränkungen, wo keine gemeinsamen Gottesdienste oder Besuche - z.B. im Rahmen der monatlichen Haus- und Krankenkommunion - mehr möglich waren, wurde nicht nur mir dieser tägliche Segen zu einem festen Brauch.  Auf dem Balkon die Glocke läuten hören und sehr bewusst mit anderen den Segen erbitten und Gottes Hilfe für Familie, Freunde. … für die ganze Welt. So mancher hat sich in den Segen eingeschlossen, auch aus anderen Konfessionen.

Dazu kleine Grüße, die wir an die Kranken und Alten versenden, Karten, die Kinder für diejenigen bemalen, die nicht mehr das Haus verlassen können, Mund- und Nasenmasken, für andere genäht… Kirche ist mehr als Gottesdienst, Kirche ist Gemeinschaft im Gebet und im Gutes Tun!

Bei all dem können wir lernen … Kirche zu sein, Gemeinschaft zu sein, offen zu sein. So gibt es viele Hoffnungszeichen. Man muss sie nur sehen und schätzen lernen. Ein paar wenige habe ich hier genannt.

Und welche sind Ihre? …. Wollen Sie mir Ihre Hoffnungsgeschichten erzählen?

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